Independence Day mit den Queens Of The Stone Age
Die restlos ausverkaufte Columbiahalle hatte an diesem 4. Juli, dem Tag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, einige ganz besondere Gäste. Nach nur zwei Monaten gaben sich die Steinzeitköniginnen erneut ein musikalisches Stelldichein mit ihrem Berliner Publikum - "Thank You Berlin, we love you to death, that's why we keep up comin'."
Die Queens Of The Stone Age hatten geladen und die "Blackberry-Generation" war folgsam und erschien zahlreich. Übertragen wurde das Konzert übrigens via Livestream im Internet unter www.vertigo.fm. Die Musiker um Josh Homme,
Mastermind der Queens, alter Kyuss-Haudegen sowie musikalischer Gruppentherapeut bei den Desert Sessions und Eagles Of Death Metal, sind 1. Troy Van Leeuwen, zuständig für Gitarre, Keyboard und Gesang und 2. Joey Castillo am Schlagzeug. Die beiden Neuzugänge sind Dean Fertita, kompetent am Keyboard, Mikro und gelegentlich an der Gitarre und Michael Shuman, der Nick Oliveri nicht nur am Bass sondern auch in punkto Geschrei das Wasserreichen kann.
Eröffnet wurde der Abend gegen 21:00 Uhr von den Kamikazee Queens, die ehemals Sin City Circus Ladies hießen und sowohl musikalisch als auch kostümlich irgendwo zwischen Transenrock und Turbonegro einzuordnen sind.
Unter ihrem alten Namen haben sie bereits einige Shows für die Queens eröffnet. Mit ihrem wollüstigen Garagen-Rockabilly und ihrer exaltierten Bühnenshow heizten sie die Columbiahalle gut vor und dem geneigten Publikum ein.
Um 22:15 Uhr betraten dann die Queens Of The Stone Age die Bühne, ließen sich nicht lang bitten und intonierten mit "Regular John" sogleich einen ihrer klassischen Opener. Weiter ging es mit dem Gassenhauer "If Only", der wie sein Vorgänger ebenfalls vom ersten Album stammt. Während die Security von Beginn des Konzertes an, alle Hände voll zu tun hatte, den tobenden Mob zu bändigen und schweißnasse Fans aus dem Hexenkessel in den sicheren Photograben zu ziehen, stimmte die Band ihren "Feel Good Hit Of The Summer" an. Dieser passte eigentlich nicht so recht zu diesem verregneten Sommertag, der einem schon etwas aufs Gemüt schlagen konnte. Genau wie bei ihrem Konzert im Mai im Columbia Club improvisierte Josh Homme im Mittelteil des Feelgood Hits "Everybody knows you dance like you fuck, you dance like you fuck." und hatte die Lacher des teilweise aus grobmotorischen Körperkläusen bestehenden Pulks auf seiner Seite. Übrigens ist Bassist Michael Shuman eine sehr gute Wahl. Wenn er nicht Walkürenhaft über die Bühne tobt oder auf seinen Bass eindrischt, bereichert er die Songs mit herzhaften Schreiattacken. Damit füllt er die durch Nick Oliveris Weggang entstandene Lücke bei lautstarken Brüllpassagen wie im "Feel Good Hit Of The Summer" ausgezeichnet.
Homme ist ein erfahrener Entertainer, auch wenn er bei Konzerten meist ohne lange Ansprachen auskommt, anfänglich etwas verhalten wirkt und erst ab der Mitte eines Konzertes kommunikativ wird und sich zu Sprüchen wie "You look
good, turn on those lights, some sexy bitches out there!" hinreissen lässt. Dennoch weiß er was sein Publikum will und das bekommt es auch: schweißtreibenden Rock der einem einen Endorphinschock nach dem nächsten beschert. In seiner betont lässigen Art, geht Mr. Homme dann auch mit nach vorne geworfenen Getränkebechern um. Mit lasziver Geste reibt er das Wurfgeschoß einfach an seinem Schritt und gibt damit unmissverständlich zu verstehen wer hier der Chef im Ring ist und den längsten Puller hat. Souverän und resolut! Genauso wie "3's & 7's", der zweiten "Era
Vulgaris"-Auskopplung, die zusammen mit den vom Überalbum "Songs For The Deaf" stammenden Stücken "Do It Again" und "Go With The Flow" die ersten Höhepunkte des Abends bildeten. Dass der Schwerpunkt des Konzertes auf "Era Vulgaris" lag und daher mit sieben Liedern am stärksten präsent war, störte niemanden. Mit "Misfit Love", "Into The Hollow", "River In The Road" und "Battery Acid" folgten die neuen, teilweise düster sowie elektronisch wirkenden Stücke.
Spätestens als Schlagzeuger Joey Castillo seine geliebte Cowbell schlug, wussten alle was kommen würde - der Dancefloorknaller "Little Sister". Die Menge tobte und ließ sich nur durch "Leg Of Lamb" und "Better Living Through
Chemistry" vom "Rated R" Album beruhigen. Insbesondere das achtminütige "Better Living Through Chemistry" zeigte einmal mehr die außergewöhnlichen, dynamischen Eigenschaften der Band. Denn auch hier gilt: "Das Ganze ist mehr als die Summe der einzelnen Teile". Die Queens verstehen es sich musikalisch zu ergänzenden und schaffen es, die Energie ihrer Konzerte ach auf ihre Albenzu transportieren.
Mit den Worten: "Thank You Berlin, we love you to death, that's why we keep up comin'" bedankte man sich brav. Sogleich erklang der neurotische "Era Vulgaris"-Opener "Turning On The Screw" kommentiert mit den Worten, "This song is about the first breath you take after you give up." Doch aufgegeben hat an diesem Abend niemand. Selbst nicht einmal, als "Songs For The Deaf" angestimmt und einigen Zuhörern wortwörtlich das letzte bisschen Hörkraft nahm. Den finalen Todesstoß verpassten die fünf Jungs ihrem Publikum aber mit "Sick, Sick, Sick", einem Song so bassig, rau und markerschütternd als würde man Knochen in einem Zahnradwerk zermalmen. Seltsamerweise widmete Homme mit den Worten "This one goes out to my girls at home" diesen Song seiner Frau Brody Dalle und ihrer gemeinsamen Tochter.
Die Band verließ die Bühne um keine fünf Minuten später wieder zu erscheinen und ihre drei Lieder umfassende Zugabe zu spielen. "Burn The Witch" wurde im besten Howard Carpendale-Deutsch mit "Dankeschön Damen und Herren!" beendet, um im nächsten Moment mit "A Song For The Dead" wieder wie wildloszubollern. Das formvollendete "No One Knows" bildete den perfekten Abschluss für ein rundum gelungenes Konzert. Bleibt abschließend nur die Frage, warum verließ Josh Homme die Bühne humpelnd und mit Hilfe eines Stockes und hat er im Mittelteil von "A Song For The Dead" wirklich "Schmutzfink" gesagt?
Quelle:
whiskey-soda.de
1. Regular John
2. Feel Good Hit Of The Summer
3. If Only
4. 3's And 7's
5. Do It Again
6. Go With The Flow
7. Misfit Love
8. Into The Hollow
9. River In The Road
10. Little Sister
11. Battery Acid
12. Leg Of Lamb
13. Turnin' On The Screw
14. Better Living Through Chemistry
15. A Song For The Deaf
16. Sick Sick Sick
Zugabe:
17. Burn The Witch
18. A Song For The Dead
19. No One Knows