Donnerstag, 28. Juni 2007, über drei Stunden Fahrt überstanden: Ankunft 18.00 Uhr in Köln vor dem E-Werk. Durch die geschlossenen Türen war bereits beim Soundcheck „Song For The Deaf“ zu vernehmen: es schien sich Großes anzubahnen.
Plötzlich öffnete sich eine Tür und wir wurden mit acht weiteren Gewinnern Backstage gebeten und durften nun eine gute Stunde warten, bis wir die Band treffen konnten. Vier Gitarren, etliche CD-Booklets und ein Handy warteten, darauf signiert zu werden. Schließlich erschien „der große rothaarige Hüne“ in der Tür und bald darauf war die ganze Band versammelt. Jetzt ging alles ziemlich schnell und über einem Kasten Heinecken-Bier wurden Fotos gemacht, Autogramme gegeben und viel gelacht. Josh schnappte sich auch gleich eine Nylongitarre und klimperte munter drauf los.
Als wäre das Meet & Greet nicht schon Highlight genug gewesen, durften mein Freund und ich bei den ersten drei Liedern im Fotograben wie wild knipsen (und uns von den anderen Fotografen anrempeln lassen ). Außer einigen Securityguards wurden wir sehr nett betreut und versorgt. Schade war nur, dass wir nach den drei Songs regelrecht rausgeschmissen wurden und unseren Foto wegbringen mussten, da wir sonst nicht mehr reingekommen wären.
Aber zurück zum Anfang:
Bereits der Aufbau der Bühnenrequisiten (seltsam anmutende diskokugelige Kronleuchter, die aussahen wie Gehirn-Vermessungs-Instrumente) stimmte auf die neue Frische der Queens ein. Nicht nur, dass das neue Album erstaunlich elektronisch, erholt, gestärkt und „modern“ klingt, auch die Band scheint (vielleicht auch begünstigt durch die Neuzugänge Michael Shuman am Bass und Dean Fertita an Keyboard und dritter Gitarre) wieder Spaß an ihren Auftritten zu haben. Man kann ihnen nicht verübeln, dass nach Hommes Zusammenbruch bei der letzten Tour die Nerven etwas blank lagen.
Besonders aufgefallen ist mir, dass die Band viel harmonischer wirkt als bei der letzten Tour. Damals mussten sie sich noch dem Druck der Öffentlichkeit ausgesetzt fühlen: das neue Album wurde teils zerrissen, es sei zu Mainstream, wo denn Oliveri verdammt noch mal hin sei, dass Joey Castillo kein Grohl-Ersatz sein kann und man eigentlich ein „Songs For The Deaf 2“ erwartet hätte. Aber wie Josh bereits in einem Interview sagte, hat sie „Lullabies to Paralyze“ befreit, um schließlich „Era Vulgaris“ produzieren zu können und das zeigt sich meiner Meinung nach auch in der unglaublichen Steigerung bei vor allem den „Songs For The Deaf“ – Liedern.
Das Set der Queens begann dann auch gleich erst einmal mit einem Klassiker: „Regular John“ von ihrem ersten selbstbetitelten Album (neben „Avon“ und „If Only“ aber leider der einzige Ausflug in „alte Gefilde“). Insgesamt fügten sich alle Songs gut zusammen und QotSA spielten eine verhältnismäßig ausgeglichene Setliste. Einigen fehlten die oft gespielten „Hits“ wie „No One Knows“, „Lost Art Of Keeping A Secret“ und andere. Diese Tatsache störte meiner Ansicht nach aber nicht, denn es schien fast so, als hätten die Queens zu ihrer alten Stärke und Live-Überzeugungskraft zurück gefunden, in dem sie eben nicht mehr die schon tausendmal gehörten Super-Hits spielen mussten. Natürlich konnte das Publikum sich trotzdem an „Mitgrölern“ wie „Go With The Flow“, „Little Sister“, „Feel Good Hit Of The Summer“ (mehr dazu später) und natürlich „Burn The Witch“ erfreuen – bei letzterem wurde schließlich auch lautstark der Basslauf mitgesungen.
Da das neue Album „Era Vulgaris“ ja vorgestellt werden sollte, fanden sich auch viele neue Songs, die gut beim Publikum ankamen und live einfach unschlagbar waren. Zwar schien es mir, als wäre der elektronische Aspekt live etwas zurückgeschraubt, was aber den Songs in keiner Weise geschadet hat, denn so entstand ein gleichmäßiges Gefüge aus alten und neuen Songs. Kleine poetische Anpassungen an die deutsche Sprache („I’m Designer“: It’s just like Diamonds in scheiße...) ließen die Menge aufjohlen.
Die Singleauskopplung „Sick Sick Sick“ wurde als erste Zugabe gespielt und mit Josh’s Ausspruch „I have a good idea“ eingeleitet.
Gesprächig haben wir Josh ja noch nie recht erleben können, aber spätestens bei den drei grandiosen Zugaben wurde deutlich, dass es der Band wohl ebensoviel Spaß gemacht hat, wie dem Publikum im ausverkauften E-Werk.
Persönliches Highlight neben meine Lieblingsliedern (die zahlreich gespielt wurden!) war die neue Version vom „Feel Good Hit Of The Summer“. War er ja schon immer Zielscheibe vielseitiger Variationen, so wurde diese Version mal wieder gewürzt mit einer neuen Textzeile, die aber jedem verständlich sofort zu lautem Mitsingen und Ausflippen führte: „Everybody knows you dance like you fuck“. Auch diesen Song gab es als Zugabe und wieder ließ sich Homme eine interessante Einleitung einfallen: Er wolle seine Hobbys beschreiben, denn da er nun Vater sei, habe er viel Zeit für seine Hobbys. Weitere Zutaten für diese „Feel Good Hit – Variation“ war ein synkopischer und somit etwas fremdländisch klingender Rhythmus und ein großer Raum für ein Solo mit leichten Blues-Einflüssen.
Die versprochene Aftershow-Party fand leider nicht statt, was aber wahrscheinlich der einzige Wermutstropfen bleiben mag. Einige hatten extra „After-Show“-Pässe, nur um die Band im Tourbus verschwinden zu sehen.
Ein letztes Wort vielleicht noch zu den Neuzugängen: besonders Dean Fertita wirkt sich nach meinem Empfinden positive auf die Live-Qualität der Queens aus, denn er ist am Keyboard um einiges subtiler und damit angemessener zugange als Natasha Schneider. Auch der Jüngste im Bunde Michael Shuman weiß mit seinem Instrument umzugehen, bereichert durch seine aufgedrehte Bühnenshow und begeistert mit seiner lockeren Art, da er sich auch nach dem Konzert noch lange mit uns Fans unterhalten hat.
Fazit: Ein fantastisches Konzert, eine fantastische Band, kurz: ein fantastischer Tag!
QOTSA-Tourreporter aus Köln: Annika Eisenberg aus Roßdorf.
Vielen Dank!